Leemann, Marianne Totengräber der Demokratie

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Details zum Produkt: Totengräber der Demokratie

'6) Verhaftet und als Geiseln festgehalten werden: der Bundesrat in corpore, die Präsidenten und die Vizepräsidenten des National- und Ständerates, der Gerichte in Bern und Zürich; ebenso die einflussreichen Beamten dieser Behörden und sämtliche hohen Militärpersonen einschliesslich ihrer Frauen und Kinder von 16 Jahren an. In gleicher Weise wird mit den Direktoren und Hauptredakteuren der bürgerlichen Blätter sowie andern Vertretern der Bourgeoisie verfahren. Beim geringsten Verdacht des Widerstandes oder des Verrats werden die Geiseln sofort auf öffentlichem Platze hingerichtet.' Im April 1919 erschreckte dieses angeblich von Lenin verfasste 15-Punkte-Umsturzprogramm mit dem Titel Instruktionen für eine schweizerische Sowjetrepublik das Schweizer Bürgertum. Wenn schon renommierte Blätter wie die freisinnige 'Neue Zürcher Zeitung' und das katholisch-konservative 'Vaterland' solche beängstigenden Meldungen abdruckten, wer würde sich da nicht vor dem roten Ungeheuer fürchten, das nun von Russland aus seine Arme auch nach der Schweiz ausstreckte? Das 'Volksrecht' und andere linke Zeitungen vermochten mit ihren Beteuerungen, dass diese Instruktionen von A bis Z erschwindelt und erlogen und von den Kommunisten viele gute Neuerungen zu erwarten seien, die Gemüter im bürgerlichen Lager nicht zu beruhigen. Artikel für oder gegen den Kommunismus in ganz Europa gab es nach der Russischen Revolution im Herbst 1917 unzählige. Ab 1920 häuften sich aber auch Berichte über faschistische und nationalsozialistische Umtriebe. Über die ersten Jahre des Zeitalters der Ideologien liegt nun ein nicht ganz übliches Geschichtsbuch vor. Die Ereignisse werden in der Form einer Forumszeitung mit Artikelauszügen aus den drei oben genannten Tageszeitungen wiedergegeben. Kurze Kommentare verbinden die meist längeren Zitate. So kommt der Charakter der damaligen Pressesprache gut zur Geltung. Die Lektüre der Artikel ermöglicht es, in die Zeit der wilden Nachkriegsjahre einzutauchen. Zahlreiche Zeitzeugen informieren über Stimmungen und Ängste, die damals herrschten. Es handelt sich demnach nicht um eine trockene Aufzeichnung von Fakten, durchsetzt mit Theorien und komplizierten Fachausdrücken, sondern um eine lebendige Geschichtsschreibung in einer einfachen, für jedermann verständlichen Sprache. Anekdoten, Ironie, Humor, Spott, Alltägliches und uns heute nebensächlich Erscheinendes finden darin ebenso Platz wie ernsthafte Berichte über dramatische Weltereignisse.

Zusatzinformation: Totengräber der Demokratie - Leemann, Marianne

Publikationsdatum 30.10.2002
Untertitel Kommunisten, Faschisten und Nationalsozialisten in der Deutschschweizer Presse von 1918-1923
Titel Totengräber der Demokratie
Bindungsform gebunden
Formbeschreibung GB
Höhe 155
Breite 225
Seiten 600
Autor(en) Leemann, Marianne
Kategorie Hardcover, Softcover / Sachbücher/Geschichte/Neuzeit bis 1918
Geschichte
Nachrichtenmedien, Journalismus, Verlagswesen
Öffentliche Darbietungen, Film, Rundfunk
Biografie, Genealogie, Heraldik
Kommunismus
Nationalsozialismus
Zwischenkriegszeit
20. Jahrhundert (1900 bis 1999 n. Chr.)
Sprache ger
Verlagsname Chronos
Beschreibung '6) Verhaftet und als Geiseln festgehalten werden: der Bundesrat in corpore, die Präsidenten und die Vizepräsidenten des National- und Ständerates, der Gerichte in Bern und Zürich; ebenso die einflussreichen Beamten dieser Behörden und sämtliche hohen Militärpersonen einschliesslich ihrer Frauen und Kinder von 16 Jahren an. In gleicher Weise wird mit den Direktoren und Hauptredakteuren der bürgerlichen Blätter sowie andern Vertretern der Bourgeoisie verfahren. Beim geringsten Verdacht des Widerstandes oder des Verrats werden die Geiseln sofort auf öffentlichem Platze hingerichtet.' Im April 1919 erschreckte dieses angeblich von Lenin verfasste 15-Punkte-Umsturzprogramm mit dem Titel Instruktionen für eine schweizerische Sowjetrepublik das Schweizer Bürgertum. Wenn schon renommierte Blätter wie die freisinnige 'Neue Zürcher Zeitung' und das katholisch-konservative 'Vaterland' solche beängstigenden Meldungen abdruckten, wer würde sich da nicht vor dem roten Ungeheuer fürchten, das nun von Russland aus seine Arme auch nach der Schweiz ausstreckte? Das 'Volksrecht' und andere linke Zeitungen vermochten mit ihren Beteuerungen, dass diese Instruktionen von A bis Z erschwindelt und erlogen und von den Kommunisten viele gute Neuerungen zu erwarten seien, die Gemüter im bürgerlichen Lager nicht zu beruhigen. Artikel für oder gegen den Kommunismus in ganz Europa gab es nach der Russischen Revolution im Herbst 1917 unzählige. Ab 1920 häuften sich aber auch Berichte über faschistische und nationalsozialistische Umtriebe. Über die ersten Jahre des Zeitalters der Ideologien liegt nun ein nicht ganz übliches Geschichtsbuch vor. Die Ereignisse werden in der Form einer Forumszeitung mit Artikelauszügen aus den drei oben genannten Tageszeitungen wiedergegeben. Kurze Kommentare verbinden die meist längeren Zitate. So kommt der Charakter der damaligen Pressesprache gut zur Geltung. Die Lektüre der Artikel ermöglicht es, in die Zeit der wilden Nachkriegsjahre einzutauchen. Zahlreiche Zeitzeugen informieren über Stimmungen und Ängste, die damals herrschten. Es handelt sich demnach nicht um eine trockene Aufzeichnung von Fakten, durchsetzt mit Theorien und komplizierten Fachausdrücken, sondern um eine lebendige Geschichtsschreibung in einer einfachen, für jedermann verständlichen Sprache. Anekdoten, Ironie, Humor, Spott, Alltägliches und uns heute nebensächlich Erscheinendes finden darin ebenso Platz wie ernsthafte Berichte über dramatische Weltereignisse.
Bestellnummer 1156247
Veröffentlichungsdatum 09.07.2002
Zuletzt geändert am 14.10.2016

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